7 juin, 2008

ZINCKE MICHEL

Classé dans : HISTOIRE LOCALE — lichtydiedendorf @ 14:03

In unserer Kindheit erzählten die Alten uns oft von Zincke Michel, dem Schulmeister der reformierten Gemeinde, der schätzungsweise ab 1820 etwa, das Amt des Erziehers mit seinem lutherischen Kollegen Peter Faesz teilte.

Damals herrschte nämlich zwischen Lutheranern und Reformierten eine Absonderung, die uns heute unglaublich und absurd erscheinen mag. Es fällt uns schwer, uns vorzustellen, dass die Gemüter unserer Vorfahren sich über ein Paar dogmatische Spitzfindigkeiten erhitzen konnten. Dennoch sollen sie sich darüber sogar in den Wirtshäusern manchmal in die Wolle geraten sein : es ging darum ob unser Vater im Himmel sie vom Übel oder vom Bösen erlösen sollte, oder ob es nun der irdische oder der himmlische Leib Jesu war, den sie beim Abendmahl verzehrten…

Dieser Zwist hat etliche Jahrhunderte überdauert, und ist, im Krummen Elsass, eigentlich erst mit dem zweiten Weltkrieg, in Vergessenheit geraten.

Es ist anzunehmen, dass die tieferen Ursachen dieses Streits wohl nicht nur religiöser, sondern auch sozialer Art waren.

In der Tat, stellen wir fest, was Diedendorf anbetrifft, das die grösseren Grundbesitzer, die sogenannten Pferdsbauern, in der Mehrzahl Lutheraner waren. Sie bildeten im 19.Jahrhundert den Dorfadel, und betrachteten sich als das alteingesessene Element der Bevölkerung, während die Reformierten immer noch als „Zugezogene“ eingestuft wurden, mit einem Anflug von Geringschätzung, wie das eben bei Gastarbeitern so üblich ist.

Jedenfalls galt ihr Schulmeister, Zincke Michel, als ein miserabler Pädagoge, so dass man zu seiner zeit von einem Analphabeten spöttisch zu sagen pflegte : “das ist sicher ein guter Reformierter!“

Bei Lehrer Faesz hingegen herrschte Zucht und Ordnung. Durch mündliche Ueberlieferung von Baerwels Vetter erfahren wir, dass die Schulkinder den Unterricht stehend anzuhören hatten; nur der kleine Gassert mit dem Klotzfuss durfte sitzen bleiben. Das Mitbringen von Broten für die Pause war strengstens verboten, um, wie der Lehrer sagte, die Kinder der Armen nicht „verlänglich zu machen“.

Ein eigentliches Schulhaus gab es damals noch nicht, wie wir es im Kadaster von 1837 feststellen können. Die Schule wurde in einem Privathaus des Dorfes absolviert, meistens im Haus des Lehrers, falls dieser eines besass.

Wahrscheinlich versammelten sich die lutherischen Kinder in „Faesze Hüs“, welches die Gemeinde später den Urenkeln des Peter Faesz abgekauft hat, um darin die Mairie und eine Lehrerwohnung einzurichten. Bis vor einigen Jahren hat auch Lehrer Rieger noch da gewohnt.

Zincke Michel hielt Schule im Hause seiner Frau, Maria Elisabeth Zinck (1797-1854), heute das Haus N° 87 (Brion-Karcher). Es war wohl ein liebliches Durcheinander in der engen Stube, die „Schreibkinder“ um den Tisch herum gedrängt, die „Lesekinder“ am Boden hockend, mit Michels Haselstock im b-a-ba unterwiesen, das sie im Chor herunterleierten, sodass die ganze Herrengass gratis am Unterricht teilnehmen konnte.

Zincke Michel hiess eigentlich Noe, und stammte aus der Pfalz, sagte mein Grossvater.
Wir haben in den Urkunden nachgeprüft : “den 28.10.1879 wurde in Diedendorf beerdigt Johann Michael Noé, Sohn von Heinrich Jacob und Elisabeth Schlimer, geboren zu Dellfeld (Rhein-Bayern), den 25.6.1798, gestorben im alter von 81 Jahren, 4 Monaten und 1 Tag. Der verewigte bekleidete vor Jahren das Schullehreramt an hiesiger reformierter Gemeinde“.

Dazumal war der Schulmeister nicht unbedingt eine angesehene Persönlichkeit. Er stand bescheiden auf der untersten Sprosse der Beamtenhierarchie, und war, in sozialer Hinsicht, den Hirten des Dorfes gleichgestellt.

In den Augen der Einwohner jedenfalls scheint Zincke Michel eher eine etwas lächerliche als eine respekgebietende Rolle im Dorfleben gespielt zu haben, und bis heute noch zitiert man einige seiner Ausdrücke oder Redensarten, obwohl man meistens nicht mehr weiss woher sie stammen:
-„iwerhupps! Dr Deiwel weiss wie’s heisst!“
So sagte er zu den Schülern wenn sie, beim französischen Leseunterricht über ein schwieriges Wort stolperten.
Denn der Ärmste war auch dazu berufen, seinen Zöglingen die elementaren Kenntnisse der Nationalsprache einzupauken. Für sie wie für ihn war dies eine Fremdsprache, und sie werden sich wohl miteinander ohne grosse Überzeugung ein paar Viertelstündchen pro Woche damit abgequält haben.
-Denne accent aigu unn denne accent grave, die kann ich behalle, sagte er noch, awer denne mit dem Hietche uff, (damit war der accent circonflexe gemeint), der will mer nit in de Kopp!

Nun, äusserst wichtig war das ja nicht .Die Umgangsprache blieb Deutsch, und von der Regierung wurde in dieser Hinsicht keinerlei Druck auf die Bevölkerung ausgeübt. Sie unterschrieben nach wie vor Hans Nickel statt Jean Nicolas, Peter statt Pierre, in gothischer Schrifft, und auch die Akten wurden auf deutsch verfasst:“…Im Jahr 10 der Franken Republik..“.

Und der Staat hatte ja sowieso keinen Einfluss auf die Laufbahn eines Schulmeisters : seine Ernennug und seinen bescheidenen Lohn schuldete er allein der Kirche; darum war auch eines der Hauptfächer im Schulwesen der Religionsunterricht.

Ausserdem, sobald im Früjahr die Feldarbeiten begannen, nahm die Zahl der Schüler zusehends ab, bis dann eines Tages die Schulstube ganz leer blieb.
Die „grossen Ferien“ dauerten bis den Spätherbst hinein. Zincke Michel jedoch fuhr nicht nach dem Süden. Er bestellte sein Stückchen Land, führte seine Kuh auf die Weide, den Feldwegen entlang, und verdingte sich als Taglöhner um überleben zu können.

Das Lehreramt war also damals eine Art Nebenberuf, der oft vom Vater, bei dem dieser das Handwerck erlernt hatte, auf den Sohn überging.

Zincke Michel scheint einer dieser Schulmeisterfamilien zu entstammen. So lesen wir, in den Beilagen von Matthis „Leiden der Evangelischen. “Seite 263:
Noé“ : erster Bekannter Vertreter Paul Noé, etwa 1680 zu Diedendorf. Er starb 1708 zu Goerlingen, wo sein Sohn Schulmeister war.“
Ein Paul Noé, vielleicht besagter Schulmeister zu Goerlingen, erscheint auch im alten Kirchenbuch von Diedendorf : den 5.2.1709 heiratet er Anna Maria Giard.
Ausserdem haben wir in den Urkunden entdeckt, dass der Vorgänger des Zincke Michel ebenfalls Michel Noé hiess. In welcher Weise sie miteinander verwandt waren lässt sich jedoch nicht mit Gewissheit feststellen. Hier, zum Vergleich, die Daten:
-Michael Noé geb.1766 zu Keshoven, gest.1818 zu Diedendorf, Sohn von Heinrich Jakob und Charlotte Wenger, verheiratet mit Charlotte Schneider.
-Johann Michel Noé geb.1798 zu Dellfeld, gest.1879 zu Diedendorf, Sohn von Heinrich Jakob und Elisabeth Schlimer, verheiratet mit M.Elisabeth Zinck.

Onkel und Neffe vielleicht? Nach Diedendorf zurückgekehrt weil ihre Vorfahren von hier stammten? Wir müssen uns mit Vermutungen begnügen.

Und nun kommt noch ein dritter Noé hinzu. Es handelt sich um Ludwig Wendel, 1814 in Altwiller geboren, wo sein Vater Johann Heinrich Ludwig ebenfalls Schulmeister der dortigen reformierten Gemeinde war.

In den Urkunden wird er einmal als „Anverwandter“ des ersten Noé Michel ,oder vielmehr dessen Sohnes bezeichnet, mehr wissen wir nicht.

Dieser Ludwig Wendel wohnte also in dem Haus, das heute Willy Meyer gehört, und das in früren Zeiten zu den Besitztümern des Schlosses zählte.
Er war verheiratet mit einer Schuhmacherstochter aus Sarre-Union, Eva Elisabeth Peter, “genannt Caroline“, deren Mutter eine Gachot war. Und Seine beiden Söhne, Ludwig (1845) und Georg (1852) wurden in hiesiger Kirche getauft und konfirmiert, wonach sie nicht mehr in den Urkunden vorkommen. Sie sind also ausgewandert, um sich anderswo niederzulassen.
Die Tochter von Ludwig Wendel, Eva Caroline (1847-1929) heiratete im Jahre 1871 Claude -Victor Chenel, Pächter in Tarquimpol bei Dieuze. “Noé Victorine“, die bis zum zweiten Weltkrieg noch ab und zu nach Diedendorf kam, war ihre Tochter.

Noés Haus also wurde früher „Chenels Hüss“ genannt, und 1871 figuriert ein Joseph Chenel als Taufpate eines Kindes der Familie Striffler, Eigentümer des Diedendorfer Schlosses. Die Striffler besassen ausserdem grosse Pachthöfe in Lothringen, davon einen vielleicht in Tarquimpol?
-„Tarquimpol? sagte meine Kusine. Da fällt mir etwas ein : meine Grossmutter Magnus erzählte mir oft aus ihrer Jugend, unter anderem auch von einer langen Reise per Kutsche, Sonntags haben die Noés sie manchmal mitgenommen zu einem Familienbesuch auf dem „Daggebol“. Sie sprach von viel Wasser ringsumher, von einer schnurgeraden Strasse, und just am Ende dieser Strasse stand das Haus.

Wir haben de „Daggebol“ besichtigt. In dem kleinen Dorf, das auf einer Halbinsel im Lindenweyer liegt, ist noch etwas vom Zauber der alten Welt zurückgeblieben, und die Reisebeschreibung der Grossmutter Magnus stimmt haargenau : am Ende Strasse steht das einstige Haus Chenel, das hat uns eine Einwohnerin bestätigt, die jedoch über die Vergangenheit des Dorfes nicht besonders informiert zu sein schien.

So haben wir dann das Moos von den Grabsteine gekratzt auf dem kleinen Friedhof, um die Inschriften zu entziffern : “Claude Chenel-Noé, Maire de Tarquimpol, zwei Ehrenmedaillen als Belohnung für “guten Taten „ ruht dort neben seiner Gattin Caroline.

Das Grabmal des Ludwig Wendel Noé steht noch auf dem alten Diedendorfer Friedhof, hinten beim Turm, zwischen den Zypressen. Es steht dort geschrieben das er 1883 durch einen Unfall ums Leben kam, und im Kirchenbuch erfahren wir etwas mehr darüber : “Er fiel von einer Leiter und starb kurz nachher“.

Und nun zum Michael Noé dem Ersten.
Er wohnte in dem Haus wo heute noch seine Ur-Ur Urenkelin wohnt (Lauche). Sie ist die letzte Trägerin des Namens in Diedendorf.
Auch dieses Haus hatte eine Beziehung zum Schloss : dort nämlich mussten die Einwohner die Zehntensteuer abliefern, d.h.den zehnten Teil ihrer Ernte, der dem Landesherrn und der Kirche zukam.

Was nun den Hausnamen anbetrifft, der, den Jahrhunderten zum Trotz, immer noch allen Diedendorfer geläufig ist; er stammt von Michaels Schwiegermutter, Henriette Justine Lauch (1742-1826), Tochter des Johannes Friederich Lauch, Handelsmann aus Kirn im Hunsrück, und der Susanna Haldy.

In dem 1983 erschienen und äusserst interessanten Buch von Albert Girardin, “Kirrberg im Krummen Elsass“, erfahren wir Näheres über die Familie dieser Susanna : ihr Vater Kirchenschaffner der Grafschaft in St Arnual bei Saarbrücken, war, als Verwalter des Kirchenguts, ein ziemlich hohes Tier, und ihre Mutter erscheint in den Chroniken von anno dazumal als eine ungewöhnliche Persönlichkeit:
„…Die damals 72 jährige Witwe des Schaffners von St Arnual war eine rüstige und energische alte Dame. Für damalige Verhältnisse war sie reich, denn sie besass Häuser, Freihöfe, Pachthöfe, Wiesen und Geld im Krummen Elsass und in der Schweitz, hatte aber auch zwölf Kinder zu versorgen. Als sie am 17.Mai 1757 ihr Testament errichten wollte, traf der Notar die 97 jährige im Hause ihrer Tochter Susanna Lauch in Diedendorf, “an einem Stock im Hause herumgehend ,bei volkommener guter Leibes-und Gemüths-Constitution „an. Sie unterhielt sich mit dem Notar „mit wundernswürdiger présence d’esprit und ohnturbierter Gemütsverfassung…“.
Katharina Haldy starb am 21. oktober 1757. Sie hinterliess 102 Enkel, 172 Urenkel, und 2 Ururenkel; Zahlreiche Bewohner des Krummen Elsass haben sie in ihrer Annentafel, auch der Pfalzburger Schriftsteller Emil Erckmann zählt zu ihren Nachkommen“.

Die Haldy scheinen zur über zahlreiche Dörfer zerstreuten Gemeinde des Pfarrers Samuel de Perroudet gehört zu haben, der von 1696 bis 1748 seinen Wohnsitz in Diedendorf hatte und für die reformierte Diaspora der Umgebung zuständig war, denn im alten Kirchenbuch kommt der Name Haldy häufig vor.

Im Jahre 1727 verheiratet sich also Suzanna Haldy in der Diedendorfer Kirche mit Johann Friederich Lauch, und aus dem alten Taufregister entnehmen wir dass ihnen sechs Töchter geboren wurden .Zwei davon verheirateten sich mit hiesigen Bürgern, und ihre Nachkommen leben heute noch in unserer Gemeinde .Es sind dies Maria Suzanna Lauch, Ehefrau von Peter Lamy, und Henrietta Justine Lauch, verheiratet in erster Ehe mit dem Leinenweber Heinrich Schneider, und in zweiter Ehe mit Michel Lamy, Charlotta Schneider, die Tochter dieser Henrietha, heiratet im Jahre 1793, den Schulmeister Noé Michel.
Über deren Nachkommen ist weiteres in folgendem

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